Ein Interview mit Stephan König und Ulrich Scheel von der Today's Liberation Campaign
Nitewalkz: Ihr seid zwei Mitglieder der Today’s Liberation Campaign. Könnt ihr dieses Projekt kurz vorstellen?
Stephan König: Die „Today’s Liberations Campaign“ ist eine Vereinigung von Menschen, die sich dafür einsetzen, dass der Kampf für die Freiheit - unter der Schirmherrschaft der USA - in der Welt fortgeführt und verstärkt wird.
Ulrich Scheel: Auf unserer Website gibt es zum einen Informationstexte über den derzeitigen politischen Stand der Dinge und es gibt den Teil mit den Kampagnen. Bei diesen Kampagnen geht es darum, das Menschen sich, mit den ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln, an Amerikas Kampf für die Freiheit und Demokratie beteiligen können.
Nitewalkz: Ihr bewegt euch ja als Pro-Amerikaner jenseits des antiamerikanischen politischen Mainstreams in Deutschland. Wie ist euer Verhältnis zur aktuellen politischen Lage?
Ulrich Scheel: Seit ein paar Wochen ist es wesentlich besser geworden. Als Gerhard Schröder noch hauptamtlich Kanzler war, war dass für uns natürlich eine komische Situation, weil wir uns von der Regierung nicht im gewünschten Maße vertreten gefühlt haben.
 Das Deutsch-Amerikanische Verhältnis war durch Schröder ja schon sehr belastet und wir sind sehr froh, dass sich durch Angela Merkel die Lage nun ändern dürfte. Bei ihrem Besuch in Washington während des Irak-Kriegs hat sie ja bereits die richtigen Schritte angedeutet. Kurz: Wir zählen voll auf Angela Merkel, wenn es um die Verbesserung des Deutsch-Amerikanischen Verhältnisses geht.
Stephan König: Es ist natürlich sowieso problematisch, zu sagen: Ich bin Antiamerikanisch! Ungefähr 80% der Kultur, in der wir leben, ist im weitesten Sinne „amerikanisiert“. Beispielsweise die Fernseh- und Filmkultur, die Jugendkultur, Musik und Graffiti. Alles Dinge die irgendwann zu uns „rübergeschwappt“ sind und dann aufgegriffen wurden. Wo ist z.B. die deutsche Jugendkultur die sich von der amerikanische trennen lässt? Wo ist der amerikanische „Bumann“, wo sind die Sachen die wir nicht mitmachen? Genauso in der Esskultur: McDonalds und Burger King. All diese "Kultureinflüsse" sind bei uns so stark integriert, dass man nicht mehr ernsthaft von einer Trennung sprechen kann. Und nicht zuletzt sollte auch nicht vergessen werden, wer uns befreit hat aus dem Joch des Nationalsozialismus.
Nitewalkz: Habt ihr Unterstützung von amerikanischen Behörden in Deutschland bekommen?
Ulrich Scheel: Ja, und da vor allem von der amerikanischen Botschaft und speziell dem US-Botschafter Norman Pimken, der uns bei unserer Arbeit sehr unterstützt. Als Dankeschön für unsere Arbeit hat er uns ein Grußwort geschrieben, das man auf unserer Website nachlesen kann. Ich glaube er sieht uns als eine Art „Vorkämpfer“ in Deutschland und wir hoffen, dass wir ihm die Arbeit hier in Deutschland ein bißchen leichter machen.
Nitewalkz: Einer eurer Claims lautet: You’re the Man Behind The Man Behind The Gun! Was ist damit gemeint?
Stephan König: Dazu möchte ich zunächst nochmal daran erinnern, dass wir Deutschen ja nicht weniger Kriege geschürt haben als die Amerikaner. Man versucht sich zwar etwas bedeckt und pazifistisch zu geben, aber die Realität, der man sich stellen muß, ist, dass unsere Kultur und unser Wirtschaftssystem - letztendlich unser Wohlstand - existieren, weil in anderen Ländern Kriege propagiert werden und durch forcierte "Wertschöpfung" ein Reichtum erlangt wird, der es uns bequem macht. Und dass ist eine Tatsache, der man sich stellen kann oder vor der man - genauso wie vor Krankheit und Tod - die Augen verschließen kann. Wir sind der Meinung man sollte sich dieser Tatsache stellen und sagen: "Wenn unser System so funktioniert, dann machen wir mit!" Oder man macht es eben ganz anders. Das sind die Auswahlmöglichkeiten die man hat. Aber die schwammige Position dazwischen, hier im Wohlstand zu leben und anderseits zu sagen: "Krieg ist nicht so toll!", bleibt für uns fraglich.
Ulrich Scheel: Es ist in meinen Augen auch eine Verständnisfrage. Viele Leute stellen sich gar nicht die Frage wie und nach welchen Richtlinien die Welt in der Zukunft funktionieren soll. Es steht völlig außer Frage, dass die Demokratie, wie sie u.a. in den USA derzeit gelebt und praktiziert wird, die einzige Möglichkeit ist, die Welt in Zukunft zu gestalten. Man lebt hier auf der Erde und hat eine gewisse Verantworung für sich und seine Mitmenschen zu tragen, und da sollte man schon mal darüber nachdenken, was für einen Beitrag man für die Zukunft leisten kann. Demokratie muss erobert und verteidigt werden, und da sind solche Vorwürfe wie Schachbrettpolitik und Ölkrieg sehr kontraproduktiv. Staaten, die das nicht verstehen wollen oder verstehen können, müssen da schon mal zurück auf den Kurs gebracht werden. Ein demokratisches System kann nur in der Geschlossenheit funktionieren.
Stephan König: Ein Staatssekretär vom amerikanischen Verteidigungsministerium, der auch die Planung für die zukünftige amerikanische Außenpolitik macht, wird auf unserer Website zitiert: "Wer nicht mitspielen will im neoliberalen Spiel der Globalisierung, von der die Amerikaner als Grundlage für die Demokratisierung der Welt überzeugt sind, der wird früher oder später von unseren Truppen Besuch erhalten." Das ist ein Programm der Amerikaner, das kann man deutlich sagen und davor muss man sich nicht verstecken. Da stehen wir dahinter und wollen auch das deutlich sagen. Es geht eben nicht um Schachbrettpolitik und kleine Ölkriegereien, sondern es geht darum eine Weltherrschaft des Kapitals zu errichten, was wiederum die Freiheit für alle Menschen garantiert.
Nitewalkz: Habt ihr, nach dem Mord an Theo Van Gogh und den Morddrohungen gegen den Islamwissenschaftler Hans-Peter Raddatz, keine Angst vor beispielsweise islamischen Extremisten?
Stephan König: Nein, unser Handeln richtet sich ja nicht gegen Menschen. Wir sagen nicht, dass Islamisten schlecht und Amerikaner gut sind. Es geht uns um den vielkritisierten Begriff der „Leitkultur“. Eben um eine demokratische Leitkultur, wenn man das so sagen darf. Der Wunsch der alle Menschen verbindet, ist der Wunsch glücklich zu sein. In diesem Sinne verstehen wir unsere Arbeit, und das tun sicherlich auch islamische Gläubige. Fehlgeleitete Individuen wie Selbstmordattentäter und ähnliches gibt es auch in unseren Reihen. Zum Beispiel die einzelnen und sicherlich zufälligen Ausrutscher in Gefängnissen in Bagdad. So etwas wird nie grundsätzlicher Tenor oder Selbstverständnis sein.
Ulrich Scheel: Ich wüßte auch gar nicht was man uns vorwerfen könnte, da wir uns sehr positiv für diese Menschen einsetzen und auch dafür sorgen werden, dass es ihnen besser geht. Ein Beispiel: Die It’s Todays Rubbish That Counts-Kampagne, in der es darum geht, dass die Menschen ihre Altwertstoffe - sprich: Schrott, Glas, Papier und Plastik - sammeln und der Kriegsmittelproduktions-Industrie zuführen können. Die amerikanische Botschaft in Berlin hat eigens für unsere Kampagne eine Sammelstelle für Recyclingmaterialien eingerichtet. Die Altwertstoffe werden wieder aufbereitet und aus ihnen können anschließend neue Waffen, neue Bomben und Flugblätter aus Recyclingpapier produziert werden.
Stephan König: Und das Schöne an dieser Kampagne ist, dass der Bürger merkt, dass er politisch eingreifen und handeln kann. Heutzutage stellt sich ja leicht ein Gefühl der Ohnmacht ein, der Bürger fühlt sich erdrückt von Staat und Politikern, die "machen was sie wollen". Mit unserer Kampagne kann selbst die alte Pfirsichdose einen kleinen Jungen in Basra befreien.
Nitewalkz: Welche Möglichkeiten der Unterstützung bietet ihr noch an?
Stephan König: Wir haben die Website recycle-your-reality.org ins Netz gestellt, weil wir glauben, dass es ein grundsätzliches Informationsbedürfnis über die Vorhaben der amerikanischen Regierung gibt. Dass es eben nicht um Ölplattformen oder ähnliches geht, sondern darum eine weltpolitische Vorherrschaft im Sinne des Guten zu erreichen. Und wir wollen mit verzerrten Weltbildern aufräumen: Wenn wir in einem kapitalistisch-demokratischen System leben, ist unser politisches System dazu da die Wirtschaft zu unterstützen. Bei steigenden Renditen von Aktienmärkten gibt es auch neue Erwartungen an Gewinnentwicklung, die mit normalen Mitteln des Marketing nicht mehr zu erreichen sind. Die logische Folge davon ist, dass man neue Absatzmärkte erreichen muss, notfalls auch mit mehr „Nachdruck“. Weil ansonsten andere Menschen in der Welt darunter leiden müssen, wenn bestimmte Gebiete sich sträuben und damit eine Weltkonjunktur, eine Weltentwicklung verhindern, die wie schon gezeigt die Basis für die Demokratisierung der Welt ist.
Nitewalkz: Ihr seid beide eher Designer bzw. Künstler. Inwieweit kann ein eher ästhetisches Mittel - wie eine Website - die Aktion „Today’s Liberation Campaign“ unterstützen?

Stephan König: Norbert Bolz, ein bekannter Medientheoretiker, hat gesagt, dass in einem Zeitalter in dem politische Utopien absterben, immer stärker auf Ästhetik gesetzt wird. Uns gehts nun aber darum politische Utopien wieder neu zu beleben, Menschen dazu zu bringen ihre politische Meinung auszudrücken und umzusetzen. Dabei setzen wir auf das Mittel der Ästhetik. Die Menschen sind durch Werbung, Fernsehen und Hollywood eine Art von Vermittlungsstruktur gewohnt, die gut bei ihnen ankommt und die wir nutzen um unsere Ziele zu erreichen und Menschen zum Handeln zu bewegen.
Ulrich Scheel: Ich möchte nochmal etwas leidenschaftlicher auf die Frage eingehen. Als Designer bekommen wir in der Regel Aufträge ein Produkt zu verkaufen, was wir mit unseren Fähigkeiten und unserer Leidenschaft tun. Im Fall der „Today’s Liberation Campaign“ haben wir keinen Auftrag, sondern eine Mission. Natürlich setzten wir die ganze Passion - die in unserer Arbeit und unseren Fähigkeiten steckt - ein, um diese Mission an die Leute zu bringen und die „Produkte“ Demokratie und Freiheit weiterzugeben.
Stephan König: Ein gewisser Eigennutz steckt natürlich auch dahinter. Es geht ja nicht nur darum dass Menschen befreit werden, sondern auch darum dass unsere Freiheit und die Freiheit aller Menschen in unserem Land erhalten wird.
Nitewalkz: Welche Ziele hofft ihr mit „Today’s Liberation Campaign“ zu erreichen?
Stephan König: Wir würden es natürlich schön finden, wenn sich aus der Kampagne und der ganzen Idee eine Lobby in Deutschland entwickeln würde, so dass man wieder ungestraft sagen kann: Ja, ich stehe für die Freiheit. Ja, ich stehe für Ideen, die ansonsten als „böse“ und „amerikanisch“ verteufelt werden. Also im Grunde ein Missionierungsgedanke.
Ulrich Scheel: Es gibt ja auch schon eine Lobby. Es ist ja nicht so, dass wir völlig allein dastehen würden. Wir bekommen Unterstützungsbriefe und E-Mails und anscheinend ist da einiges in Bewegung. Das ist vielleicht keine Lobby im althergebrachten Sinne, aber eine Basis ist sicherlich vorhanden.
Nitewalkz: Was bedeutet der Claim Recycle Your Reality!?
Stephan König: Es geht uns darum, sowohl im materiellen - wie bei den Altwertstoffen - als auch im geistigen Sinne Dinge bzw. Ideen zu recyclen. Ideen vorzustellen und nachzufragen wie es mit Ideen in der Welt aussieht. Wovon bin ich überzeugt? Sind meine Ideen haltbar? Müde und träge, ja, altbackene Geister die unsere Website sehen, werden natürlich am Gedanken des Pazifismus festhalten. Aber der Gedanke des Pazifismus hätte auch dazu geführt, das wir heute immer noch unter Hitler leben würden.
Nitewalkz: Was ist mit den Staaten die gar nicht befreit werden wollen?
Stephan König: „Was der Bauer nicht kennt, dass ißt er nicht.“, ist ein klassischer Spruch, der hier zur Anwendung käme. Es geht ja auch um eine Art von Weltsicht. Es klingt jetzt vielleicht etwas arrogant, aber wenn man sich z.B. Afghanistan anguckt, da gibt es eine Art von Stammeskultur und keine besonders weitgehende Industrialisierung und keinen wirtschaftlichen Austausch und Handel in der Form wie wir ihn kennen. Dementsprechend fehlt es Afghanistan an einer Basis für eine freiheitliche und demokratische Entwicklung. Und diese Basis wollen wir ja gerade schaffen. Wir wollen den Menschen helfen in einem Gesellschafts- und Wirtschaftssystem zu leben, das ihnen Freiheit garantiert. Wenn ich nur meine Ziegenherde kontrollieren muss und den nächsten Wasserlauf suche, verlange ich natürlich nach anderen hierarchischen Machtstrukturen.
Ulrich Scheel: Auch hier geht es um den eigenen Horizont und wie man den erweitern kann. Jeder Mensch kann dazulernen. Niemand ist dazu gezwungen auf einem vorhandenen Entwicklungsstand stehenzubleiben. Hier ist vor allem Fortschrittsdenken gefragt.
Stephan König: Man könnte es vielleicht auch mit der Französischen Revolution oder dem Unabhängigkeitskrieg in Amerika vergleichen. Damals hat sich etwas in Bewegung gesetzt, von dem keiner, selbst die Revolutionäre nicht, gedacht hätte, dass es das gibt. Rousseau, Robespierre, Mirabeau u.a. konnten nicht weit genug vordenken, weil sie noch in einem monarchistischen Gedankengebäude gefangen waren. Letztendlich war das eigentliche Ziel der französischen Revolution eine konstitutionelle Monarchie. Das hat sich dann immer weiter überworfen und wurde letztendlich zu einer Art Bürgerrepublik. Das hat selbst die theoretischen Vordenker überrascht, die während des Handelns gelernt haben. Ein Baum wird eben nicht von alleine gefällt, da muss man auch mal die Axt schwingen.
Nitewalkz: Was hat es mit dem kleinen Hamed auf der Website amillionthanks.net auf sich?
Stephan König: Das ist eine Website auf der hauptsächlich das Schicksal von Hamed, einem kleinen Jungen aus Falludja, der bei einem Bombenangriff beide Beine verloren hat, vorgestellt wird. Sein Vater hat ihm, um ihm mental wieder auf die Beine zu helfen, geraten etwas für die Befreiung des Irak zu tun. Zusammen mit seinen Klassenkameraden und Ihrem Direktor Dr. Aizhad hat Hamed dann diese Internetseite erstellt.
Ulrich Scheel: Wenn ich kurz unterbrechen darf, Hamed hat diese Seite ja nicht gemacht, weil sein Vater und sein Direktor das gesagt haben. Das Entscheidende ist, dass dieser Junge mit seinen acht Jahren begriffen hat, was in seinem Land passiert. Er gibt die Schuld nicht den Invasoren und Mördern, sondern er hat begriffen, dass die Soldaten ihm die Freiheit bringen und von dem Tyrannen befreien. Und er sagt „Danke!“ zu den amerikanischen Streitkräften, den Befreiern, obwohl er im Rollstuhl sitzt und nie wieder laufen können wird.
Stephan König: Hamed hat auch ein erstaunlich weitreichendes Konzept auf seiner Seite. Er will nicht nur den Amerikanern Danke sagen, sondern den gesamten Allierten und sammelt dafür Briefe und Unterschriften. Besonders ergreifend finde ich persönlich ein Lied auf der Seite, was Hamed selber singt, mit dem Titel: I’ve got liberty, but no more legs to go – Ich habe die Freiheit, aber keine Beine mehr um zu gehen…
Ulrich Scheel: Ja, er hat auch Zeichnungen und Briefe gesammelt, die die Menschen in seiner Stadt für die US-Streitkräfte gemacht haben, und da sind ganz tolle und bewegende Sachen dabei. Ich denke das ist vor allem für die Soldaten an der Front eine tolle Motivation.
Stephan König: Wir haben uns amillionthanks.net als Partnerseite ausgesucht, hosten die Seite auf unserem Server und unterstützen so den kleinen Hamed und seine Klassenkameraden.
Nitewalkz: Was werden eure zukünftigen Schritte sein?
Stephan König: Das nächste Projekt das wir gerade ansteuern ist eine T-Shirt Patenschaft. Man kann Menschen in unterdrückten und armen Ländern helfen ihren Wunsch nach Freiheit auszudrücken. Es gibt „Please defend me too!“ und „Please liberate me too!” T-Shirts und die Westeuropäer oder Amerikaner könne Patenschaften stiften. Denn ein Problem das mal ganz deutlich angesprochen werden muss, ist, dass es noch viele Völker gibt die befreit werden müssen und die Möglichkeiten der amerikanischen Streitkräfte und der Allierten sind natürlich begrenzt. Wer sich zuletzt anstellt wird auch als letzter befreit.
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